Selbstironische Stimmakrobaten

„Offline“, und das gleich für zwei Stunden, eher etwas länger, das verlangen „Basta“ singend allen Ernstes von sich selbst und ihrem Publikum. Auf ins letzte große Abenteuer. Gewischt wird nicht übers Display, sondern die Lachtränen weg, statt geklickt wird geschnipst und geliked so sehr, dass es beim Konzert drei Zugaben gibt.

Frauen, viele Frauen, viel mehr Frauen als Männer. Ist das Publikum bei einem Konzert in der Badria-Halle so überwiegend weiblich, dann stehen fünf Männer auf der Bühne: „Basta“. Die A-capella-Truppe hat in Wasserburg und der Region eine treue Fangemeinde und in der überwiegen die Frauen. Deswegen gibt es für die mitgeschleppten Männer ein Extra-Lied von William Wahl, René Overmann, Werner Adelmann, Arndt Schmöle und dem „Neuen“, Hannes Herrmann.

20 Jahre jünger als seine neuen Kollegen erweitert der Bariton die Bandbreite der Gruppe deutlich. Und beweist bei einer spontanen Comedy-Nummer mit Bastas musikalischen Kopf, William Wahl, dass er mehr als nur hervorragend singen kann.

 „Freizeichen“ heißt das neue Programm, das Basta schon mit Hannes Herrmann einstudiert hat. Passend zum Alter der vier etablierten Bandmitglieder entfernen sich die von William Wahl komponierten und getexteten Songs von den spätpubertären Themen vergangener Jahre, ohne an Witz und Ironie zu verlieren. Dazu ist Wahl viel zu sehr Wortakrobat, Sprachspielereien kann und will er nicht lassen. Er setzt Alltagssituationen wie skurrile Begebenheiten in hinreißend formulierte Texte um, die durchaus einen Hang zum Boshaften haben dürfen, so „Sodom und Gomera“, die Geschichte eines – offensichtlich gruseligen – Cluburlaubs oder der selbstironische Tango zur Nahrungsmittelunverträglichkeit, „Laktosetolerant“.

Ja, Nahrungsmittelunverträglichkeit – Basta ist erwachsen geworden, mit Anfang bis Mitte 40 stellt man eben fest, dass die Polizisten plötzlich alle so furchtbar jung aussehen, dass die Familienplanung drängt („Nachkommen“) und nach einem Tag am Strand der Sand zwischen den Zehen stört („Älter“).

Manchmal treten die Gemeinheiten ganz offen zu Tage, wie bei „ADHS“, einer deutschen Version vom „YMCA“, bei der Wahl kommentiert, dass sein gelegentlicher Coautor Oliver Gies und er sich gedacht hätten, der dämliche Text der Village People müsse doch zu unterbieten sein. Manchmal kommen sie indirekter daher, so beim Büroshanty „Cut, copy & paste“. Der kommt so stimmgewaltig und bombastisch daher, dass „Santiano“, der viel beworbene, heftig studiobearbeitete Shanty-Chor maritim gestylter Helden, neben der Parodie der fünf Kerle in Jeans und T-Shirt, die den Sound nur mit den Stimmbändern erzeugen, blass aussieht.

Manchmal sind Basta aber auch richtig rücksichtsvoll und nett. Denn es gibt so viele Liebeslieder von Männer über Frauen, richtig schöne und poetische – aber keines über Männer. Dann heißt es: „Gut, dann machen wirs“, und schon singt Basta ein Lied „für alle Jochens, Jürgens, Christians, für Herberts, Helmuts, Haralds, Hanse, für Ralfs und Rolfs und Ferdinande, für alle Leos, Larse, Lutze dieser Welt“ und hofft, es gefällt.

Das tut es, wie das ganze Konzert, das deswegen auch nicht in den angekündigten zwei Stunden vorbei ist, sondern durch Zugaben verlängert wird. Und was gibt es ganz zum Schluss? Ein Liebeslied. Zehn Jahre alt. Von einem Mann. Über eine Frau. Eines der schönsten deutschsprachigen. „50 Dinge“. Basta pur.

Und gerne sollen sie wiederkommen in die Badria-Halle nach Wasserburg. Und die diese Woche noch mitgeschleppten Männer, die kommen dann sicher ganz freiwillig mit.